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Coronavirus und Versicherungsschutz

27. Februar 2020


Sehr geehrte Damen und Herren,

viele Unternehmen stellen sich die Fragen, ob sie gegen das Coronavirus und dessen Folgen versichert sind oder wie sie sich dagegen versichern können. In den nachfolgenden Absätzen versuchen wir, allgemein gültige Antworten auf diese Fragen zu geben, die wir nach den verschiedenen Versicherungsbereichen geordnet haben.

Kranken-Versicherung

Zunächst gelten alle Mitarbeiter*innen in Deutschland bei einer Infizierung oder nach dem Ausbruch des Virus über die gesetzliche oder die private Kranken-Versicherung versichert. Über die Auslandsreisekranken-Versicherung besteht ein gesonderter Schutz für alle vom Unternehmen ins Ausland entsandte Mitarbeiter*innen, der ggf. noch um zusätzliche Assistance-Leistungen, wie z.B. den organisierten Rücktransport ins Heimatland – soweit behördliche Reisebeschränkungen diesen nicht verhindern –, ergänzt wird.

Sach-Versicherung

Die Deckung von Betriebsunterbrechungen infolge von Infektionskrankheiten ist in der Regel ausgeschlossen. Für die Zahlung einer Entschädigung aus einer Sach-Betriebsunterbrechungs-Versicherung ist ein vorangegangener Sachsubstanzschaden durch eine vertraglich versicherte Gefahr Voraussetzung. Auch für einen Unterbrechungsschaden, der z.B. durch den Ausfall von Zulieferungen oder Versorgungsleistungen entsteht, muss ein in der eigenen Sach-Police versicherter Sachschaden beim Lieferanten oder Versorgungsunternehmen vorliegen.

Ausstellungs-Versicherung

Eine Ausstellungs-Versicherung, die z.B. einen Messestand absichert, leistet ebenfalls nur für Sachsubstanzschäden an dem versicherten Gegenstand.

Veranstaltungsausfall-Versicherung

Sollte eine Veranstaltung, wie z.B. eine Messe, infolge eines außerhalb der Kontrolle und der Einflussmöglichkeit des Veranstalters, der Organisatoren und/oder der Teilnehmer liegenden Grundes abgesagt, unterbrochen, abgebrochen, verschoben oder verlegt werden, würde der Versicherer den dadurch entstehenden finanziellen Schaden tragen. Dieses könnten auch Mehrkosten sein, weil die Veranstaltung zwar stattfindet, aber zeitlich verschoben oder örtlich verlegt werden musste. Nach derzeitiger Kenntnis dürften alle jetzt angebotenen Veranstaltungsausfall-Versicherungen das Coronavirus ausschließen.

Betriebsschließungs-Versicherung

Eine Betriebsschließungs-Versicherung deckt Schäden, die einem Unternehmen durch behördlich angeordnete Maßnahmen auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes entstehen, wie z.B. die Schließung oder die Desinfektion des Betriebes. Die Entschädigung einer Betriebsschließung wird ähnlich der Betriebsunterbrechungs-Versicherung auf Basis von Gewinn und Kosten berechnet. Unternehmen der Lebensmittelindustrie, Gastronomiebetriebe und Krankenhäuser verfügen häufig über eine derartige Versicherungsdeckung. Gegenwärtig dürfte es auch in diesem Bereich keine Angebote mit Deckung des Coronavirus geben.

Haftpflicht-Versicherung

Die Haftpflicht-Versicherung setzt einen Personen- oder Sachschaden oder einen benannten Vermögensschaden voraus. Denkbar wäre hier z.B. eine Deckung, wenn Personen sich im Betrieb mit dem Virus anstecken, weil gebotene Vorsorgemaßnahmen seitens des Unternehmens vernachlässigt wurden. Im Übrigen sind kaum Fälle vorstellbar, in denen die Haftpflicht-Versicherung heran-gezogen werden könnte.

D&O-Versicherung

Die D&O-Versicherung würde Deckung bieten, wenn Managementfehler im Zusammenhang mit dem Virus zu Vermögensschäden des Unternehmens führen. Hier sind viele Konstellationen denk-bar, wie etwa die unzureichende Ausgestaltung von Lieferverträgen mit chinesischen Unternehmen.

Sonder-Deckungen

Vereinzelt haben Rückversicherer und der Londoner Versicherungsmarkt auch Deckungen für Umsatz- und Gewinneinbrüche durch Pandemien angeboten. Die Prämien dafür waren aber extrem hoch und der Versicherungsschutz stark limitiert, da Schäden, die bei einer Pandemie entstehen können, zu groß wären, um von einzelnen Versicherern getragen zu werden. So gab es z.B. Ausschlüsse für Pandemien der WHO-Stufen 5 und 6. Zum jetzigen Zeitpunkt kann auch hier keine Versicherung mehr im Zusammenhang mit dem Coronavirus abgeschlossen werden.

Notfallplanung und rechtliche Vertragsprüfungen

Allen Unternehmen ist letztlich zu empfehlen, einen Notfallplan für den etwaigen Ausbruch einer Pandemie zu entwickeln. Dieser Notfallplan sollte u.a. Maßnahmen zur Minimierung des Ansteckungsrisikos der Mitarbeiter*innen und zur Aufrechterhaltung der Produktion oder sonstigen betrieblichen Tätigkeiten beim Ausfall von Teilen der Belegschaft enthalten.
Des Weiteren sollten die Kunden- und Lieferantenverträge auf Klauseln zu „höherer Gewalt“ über-prüft werden: Gegebenenfalls beinhalten derartige Klauseln die vorübergehende Befreiung von Liefer-, Leistungs- oder Zahlungsfristen. Darüber hinaus sollte auch ein Ausweichen auf andere Lieferanten geprüft werden, insbesondere wenn die bestehenden Lieferanten in China ansässig sind.

 

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Zeilen einen gewissen Überblick zum o.a. Themenkomplex verschafft zu haben, der allerdings aufgrund der Fülle von unterschiedlichsten Versicherungsprodukten und Marktinformationen keinen Anspruch auf Vollständigkeit besitzen kann.
Sollten Sie weitere Fragen hierzu haben, stehen Ihnen Ihre Betreuer*innen aus dem Außen- und Innendienst unseres Hauses gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüße
LEUE & NILL

 

 

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